Die …
Kategorie: Neujahrsgrüße und Silvestergrüße
Die Kirchturmglocke
Autor: Joachim Ringelnatz
schlägt zwölfmal Bumm.
Das alte Jahr ist wieder mal um.
Die Menschen können sich in den Gassen
vor lauter Übermut gar nicht mehr fassen.
Sie singen und springen umher wie die Flöhe
und werfen die Mützen in die Höhe.
Der Schornsteinfegergeselle Schwerzlich
küßt Konditor Krause recht herzlich.
Der alte Gendarm brummt heute sogar
ein freundliches: Prosit zum neuen Jahr.
- Was sagt der Gruß aus?
- Welche Botschaft steckt dahinter?
- Biografischer Kontext
- Welche Stimmung erzeugt der Gruß?
- Emotionale Wirkung
- Moral und Werte
- Ist der Gruß zeitgemäß?
- Realitätsbezug oder Eskapismus?
- Für welchen Anlass eignet sich der Gruß?
- Für wen eignet sich der Gruß weniger?
- Layout-Vorschläge für Weihnachtskarten
- Abschließende Empfehlung
Was sagt der Gruß aus?
Dieser Gruß von Joachim Ringelnatz beschreibt keine besinnliche Weihnachtsstube, sondern den rauschhaften, lauten und etwas chaotischen Moment der Jahreswende. Im Mittelpunkt steht das ausgelassene Treiben der einfachen Leute auf der Straße. Die Kirchturmglocke schlägt nicht feierlich, sondern macht "Bumm". Die Menschen springen "umher wie die Flöhe". Selbst Autoritätsfiguren wie der Gendarm lassen für einen Augenblick ihre strenge Miene fallen. Es ist ein Schnappschuss des kollektiven Frohsinns in der Silvesternacht, der die Grenzen des Alltags für einen kurzen Moment auflöst.
Welche Botschaft steckt dahinter?
Die zentrale Botschaft ist die befreiende Kraft des gemeinsamen Feierns. Der Text feiert die anarchische Freude, die soziale Schranken und persönliche Befindlichkeiten überspielt. Der Kuss zwischen Schornsteinfeger und Konditor, zwei Handwerkern vielleicht unterschiedlichen Standes, symbolisiert diese kurze Aufhebung von Konventionen. Der Gruß erinnert uns daran, dass Neujahr ein Moment der universellen Hoffnung und des Neuanfangs ist, den alle gemeinsam und ungezwungen begehen können.
Biografischer Kontext
Joachim Ringelnatz, bürgerlich Hans Bötticher, war ein deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler, der von 1883 bis 1934 lebte. Er ist eine der schillerndsten Figuren der literarischen Moderne. Als ehemaliger Seemann kannte er die Welt der Kneipen, Häfen und kleinen Leute aus erster Hand. Sein Werk ist geprägt von humorvoller Melancholie, liebevoller Beobachtung der "einfachen" Menschen und einem scharfen Blick für das Skurrile im Alltag. Dieser Gruß ist typisch für seinen Ton: volkstümlich, direkt, mit einem Augenzwinkern und frei von falschem Pathos. Er schrieb nicht für die bürgerliche Salongesellschaft, sondern für und über diejenigen, die das Leben auch mal von seiner derben Seite kennen.
Welche Stimmung erzeugt der Gruß?
Der Text erzeugt eine lebendige, fast greifbare Atmosphäre der ausgelassenen Heiterkeit. Es ist keine stille, andächtige Stimmung, sondern eine laute, körperliche und gesellige. Man hört das "Bumm" der Glocke, das Brummen des Gendarmen und das fröhliche Durcheinander auf den Gassen. Die Stimmung ist anarchisch-freundlich, ein wenig übermütig und von einer herzlichen Derbheit, die absolut ungekünstelt wirkt. Sie transportiert das Gefühl, mittendrin im Getümmel zu stehen.
Emotionale Wirkung
Beim Lesen stellt sich vor allem unmittelbare Freude und Heiterkeit ein. Die bildhafte Sprache und der Rhythmus wirken ansteckend. Gleichzeitig kann ein Hauch von Nostalgie mitschwingen, eine Sehnsucht nach solch unkomplizierten, gemeinschaftlichen Feiern. Die Schilderung löst ein Gefühl der Verbundenheit aus, das Wissen, dass alle – der Gendarm, der Schornsteinfeger, der Konditor – für einen Moment gleich sind in ihrer Vorfreude auf das Neue. Es ist eine positive, zukunftsgewandte Emotion.
Moral und Werte
Im Vordergrund stehen eindeutig allgemein menschliche Werte, völlig ohne religiösen Überbau. Es geht um Gemeinschaft, Freude und die Gleichheit aller Menschen im Augenblick des Feierns. Der Wert der Toleranz und des zwischenmenschlichen Miteinanders wird durch die ungezwungenen Begegnungen vermittelt. Diese Werte passen hervorragend zur weihnachtlichen und neujährlichen Idee des Friedens und der Nächstenliebe, auch wenn sie hier in einer sehr irdischen, weltlichen Form erscheinen. Es ist ein Fest der Menschlichkeit, nicht der Dogmen.
Ist der Gruß zeitgemäß?
Absolut. In einer Zeit, die oft von digitaler Distanz und gesellschaftlicher Spaltung geprägt ist, wirkt die Schilderung eines spontanen, analogen Gemeinschaftserlebnisses fast befreiend. Der Wunsch, Alltagssorgen und soziale Barrieren hinter sich zu lassen, um gemeinsam zu feiern, ist heute genauso relevant wie vor 100 Jahren. Der Gruß wirft die Frage auf, ob wir solche ungekünstelten Momente der puren Freude und des unvoreingenommenen Miteinanders in unserem modernen Leben noch zulassen oder kultivieren. Er ist ein kleines Plädoyer für mehr Leichtigkeit.
Realitätsbezug oder Eskapismus?
Der Gruß stellt eine Form des konstruktiven Eskapismus dar. Er blendet bewusst die Probleme der Welt nicht aus, sondern bietet eine bewusste Pause von ihnen. Es ist die gezielte Flucht in einen feierlichen Augenblick, der Kraft für den Alltag geben soll. Ringelnatz zeigt keine "heile Welt", sondern die reale, etwas schmuddelige Welt der Gassen, die für eine Nacht in Freude transformiert wird. Er thematisiert nicht die Brüche direkt, aber die beschriebene Übermut ist oft eine Reaktion auf eben diese. Es ist eine gesunde, lebensbejahende Form des kurzzeitigen Vergessens.
Für welchen Anlass eignet sich der Gruß?
Dieser Text ist der perfekte Begleiter für die Silvester- und Neujahrszeit. Er eignet sich hervorragend für Karten, die man an Freunde schickt, mit denen man ausgelassene Feste feiert. Auch für Einladungen zu einer Silvesterparty ist er ein treffender und origineller Aufhänger. Da er Weihnachten nicht direkt erwähnt, passt er ideal für die Zeit zwischen den Jahren, wenn der Fokus vom besinnlichen Weihnachtsfest auf den feierlichen Jahreswechsel übergeht.
Für wen eignet sich der Gruß weniger?
Weniger geeignet ist er für Menschen, die einen sehr traditionellen, religiös geprägten Weihnachtsgruß erwarten. Auch für formelle Geschäftskontakte oder sehr konservative Empfänger könnte der volkstümliche und etwas derbe Ton ("springen umher wie die Flöhe") unpassend wirken. Wer eine stille, intime und besinnliche Karte sucht, wird mit diesem lebhaften Straßengemälde vielleicht nicht glücklich werden.
Layout-Vorschläge für Weihnachtskarten
- Wähle eine rustikale, vielleicht sogar leicht schräge Schrifttype, die an handschriftliche Zettel oder historische Drucke erinnert.
- Als Hintergrund eignet sich eine schemenhafte Zeichnung einer winterlichen Gasse mit Kirchurm, vielleicht im Stil einer alten Federzeichnung.
- Setze akzentuierende Illustrationen ein: eine fliegende Mütze, eine Glocke, oder die Umrisse von feiernden Menschen.
- Farblich dominieren sollten nachtdunkles Blau oder Schwarz für den Hintergrund, mit kontrastierenden, warmen Akzenten in Gold oder Rot für die Schrift und die Glocke.
- Verzichte auf glitzernde, verspielte Weihnachtsmotive. Der Look sollte urban, historisch und etwas knorrig sein, passend zum Autor.
Abschließende Empfehlung
Wähle diesen einzigartigen Gruß genau dann, wenn du eine Karte jenseits der ausgetretenen Pfade verschicken möchtest. Er ist ideal für alle, die das Feiern lieben, die einen humorvollen Blick auf die Welt schätzen und die in der Silvesternacht mehr sehen als nur ein Feuerwerk. Perfekt für lebensfrohe Freunde, Familienmitglieder mit Sinn für Literatur und alle, die eine Prise anarchischen Geist und echte Herzlichkeit in ihren Postkasten bekommen sollen. Mit dieser Karte zeigst du, dass du nicht nur die stille Besinnlichkeit, sondern auch die laute, gemeinsame Freude des Festes zu schätzen weißt.
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