Nikolaus, du guter …

Kategorie: Weihnachtsgedichte

Nikolaus, du guter Mann,
hast einen schönen Mantel an.
Die Knöpfe sind so blank geputzt,
dein weißer Bart ist auch gestutzt.
Die Stiefel sind so spiegelblank,
die Zipfelmütze fein und lang.
Die Augenbrauen sind so dicht,
so lieb und gut ist dein Gesicht.

Du kamst den weiten Weg von fern
und deine Hände geben gern.
Du weißt, wie alle Kinder sind:
ich glaub', ich war ein braves Kind.
Sonst wärst du ja nicht hier
und kämest nicht zu mir.

Du musst dich sicher plagen,
den schweren Sack zu tragen.
Drum, heiliger Nikolaus,
pack' ihn doch einfach aus.

Autor: unbekannt

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Dieses liebevoll gestaltete Gedicht porträtiert den Nikolaus nicht als fernen, strengen Heiligen, sondern als eine zugängliche und freundliche Figur. Es beginnt mit einer detaillierten Beschreibung seines Äußeren. Jedes Detail – der geputzte Mantelknopf, der gestutzte Bart, die blanken Stiefel – unterstreicht Sorgfalt und Fürsorge. Diese äußere Ordnung spiegelt die innere Güte der Figur wider. Der weiße Bart und das "lieb und gut" Gesicht vermitteln Vertrauen und Wärme.

In der zweiten Strophe wechselt die Perspektive. Nun spricht das Kind direkt und stellt eine persönliche Verbindung her. Die Zeile "Du weißt, wie alle Kinder sind" zeigt ein tiefes Verständnis für die kindliche Psyche, gefolgt von der charmant vorgetragenen Selbstvergewisserung "ich glaub', ich war ein braves Kind". Hier wird das typische kindliche Wunschdenken und die leichte Unsicherheit vor dem großen Besuch einfühlsam eingefangen. Die Logik des Kindes – du bist hier, also muss ich brav gewesen sein – ist von bezaubernder Naivität.

Der Schluss bringt eine überraschende Wendung und zeigt Mitgefühl. Das Kind erkennt die Mühe des alten Mannes mit dem schweren Sack und bietet die pragmatische Lösung an: "pack' ihn doch einfach aus". Diese Zeile bricht mit jeder Erwartung an devotes Verhalten und macht das Gedicht besonders. Es ist weniger eine fordernde Bitte, sondern eher ein Ausdruck von Anteilnahme und einer einfachen, kindlichen Lösung für ein erkanntes Problem.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das Gedicht erzeugt eine durchweg warme, geborgene und heimelige Stimmung. Es fühlt sich an wie das flackernde Licht einer Kerze am Adventskranz. Durch die detaillierte, fast zärtliche Beschreibung des Nikolaus entsteht ein Bild voller Vertrautheit und Respekt. Die Stimmung ist frei von Angst oder Bedrohung, stattdessen dominiert freudige Erwartung und ein Gefühl der Sicherheit.

Eine leise Spannung und Vorfreude schwingt in der persönlichen Ansprache des Kindes mit, die jedoch sofort von der selbstbewussten (wenn auch etwas wackeligen) Überzeugung, brav gewesen zu sein, aufgelöst wird. Der finale Ton ist dann von unbefangener Herzlichkeit und einem Schuss kindlichem Humor geprägt. Insgesamt hinterlässt das Gedicht ein Lächeln und das Gefühl, dass die Welt, zumindest an diesem Nikolaustag, in bester Ordnung ist.

Ist das Gedicht zeitgemäß?

Absolut. Zwar ist die Figur des Nikolaus traditionell, die zugrundeliegenden Themen sind es nicht. Das Gedicht handelt im Kern von Güte, Anteilnahme und der freudigen Erwartung des Gebens. Diese Werte sind zeitlos. Die moderne Parallele liegt in der menschlichen Verbindung: Das Kind sieht den Nikolaus nicht als mythischen Lieferanten von Geschenken, sondern als Person, die eine anstrengende Reise auf sich nimmt und "ihre Hände gerne gibt".

Es wirft eine heute noch sehr relevante Frage auf: Wie gehen wir mit denen um, die uns Gutes tun? Erkennen wir ihre Mühe an? Das Kind im Gedicht tut genau das und zeigt sogar praktisches Mitgefühl ("Du musst dich sicher plagen"). In einer Zeit, die oft von Konsum und Forderungen geprägt ist, erinnert dieses Gedicht an Dankbarkeit und die einfache Freude an der Begegnung selbst. Die kindliche Logik und der unverblümte Charme der letzten Zeile sprechen auch erwachsene Leser direkt an und bieten eine erfrischende Perspektive.

Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?

Das Gedicht ist natürlich der klassische Begleiter für den Nikolaustag am 6. Dezember. Es eignet sich perfekt, um den Abend davor vorzulesen, den geputzten Stiefel zu begleiten oder eine kleine Nikolausfeier in der Familie oder im Kindergarten zu umrahmen. Man kann es wunderbar als kleines Vortragsstück einüben, das Kinder dem "echten" Nikolaus präsentieren.

Darüber hinaus passt es hervorragend in jede vorweihnachtliche Zusammenkunft, in Adventskalender, als Teil eines selbstgestalteten Weihnachtsbriefes oder als Einstieg in eine gemütliche Vorlesestunde in der Adventszeit. Seine kurze, einprägsame Form macht es auch zu einem idealen Beitrag für Schulfeiern in den unteren Klassen in der Zeit um den Nikolaustag.

Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Primär spricht dieses Gedicht Kinder im Kindergarten- und frühen Grundschulalter an, also etwa von 3 bis 8 Jahren. Der einfache, rhythmische Satzbau, die klaren Bilder (Mantel, Bart, Sack) und die Identifikation mit der sprechenden Kindfigur sind ideal für diese Altersgruppe. Jüngere Kinder lieben die wiederholende, beschreibende Struktur, ältere Kinder im Leselernalter können den Text aufgrund der einfachen Worte oft schon selbst entziffern und erfassen den humorvollen Unterton der letzten Zeile.

Durch seinen Charme und die nostalgische Note findet das Gedicht aber auch bei Eltern, Großeltern und allen, die die Weihnachtsmagie schätzen, großen Anklang. Es ist ein Gedicht, das generationenübergreifend beim Vorlesen Freude bereitet.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Das Gedicht eignet sich weniger für Menschen, die eine rein kritische oder historisch-theologische Auseinandersetzung mit der Figur des Heiligen Nikolaus suchen. Es ist keine gelehrte Abhandlung, sondern eine gefühlvolle, kindliche Perspektive. Ebenso ist es für ältere Kinder oder Jugendliche, die sich in einer distanzierteren oder "cooleren" Lebensphase befinden, möglicherweise zu verspielt und naiv.

Für Settings, die ausschließlich säkular oder religionsfrei gestaltet sein müssen, könnte die Ansprache "heiliger Nikolaus" und die implizite christliche Tradition ein Hindernis darstellen. Wer nach komplexer Lyrik mit tiefgründigen Metaphern oder gesellschaftskritischen Untertönen sucht, wird hier nicht fündig werden. Das Gedicht lebt von seiner schlichten, unmittelbaren und herzlichen Art.

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